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Zytostatika greifen Tumorzellen auf unterschiedliche Weise an. Im allgemeinen gilt, daß Zytostatika ihre beste Wirkung bei wachsenden und sich teilenden Zellen entfalten. Dies trifft besonders auf bösartige Zellen zu, die sich in einem Zustand des ungeregelten Wachstums befinden. Aber auch gesunde und normale Körperzellen können durch Zytostatika beeinträchtigt werden. Dies verursacht einen Teil der unerwünschten, aber nicht immer vermeidbaren Wirkungen ("Nebenwirkungen") der zytostatischen Behandlung. Die gesunden Körperzellen haben jedoch im Gegensatz zu den Tumorzellen Reparaturmechanismen, die eine solche Schädigung wieder ausgleichen können. Daher sind die chemotherapiebedingten Nebenwirkungen auf das gesunde Gewebe im allgemeinen rückbildungsfähig, während Tumorzellen absterben.

Woher stammen Zytostatika?

Zytostatika stammen aus sehr unterschiedlichen Stoffklassen. Es gibt keine gemeinsame Ursubstanz, von der sich alle Zytostatika ableiten. Man hat eine zystostatische Wirkung bei einer großen Zahl zum Teil in der Natur vorkommenden Stoffgruppen festgestellt und diese durch entsprechende Synthese der Substanzen optimiert. Einige Zytostatika stammen aus der Gruppe der Antibiotika, andere gehen auf Bakterien- ode Pilzgifte zurück. Auch aus Pflanzen sind wichtige Zytostatika gewonnen worden. Manche Zytostatika beeinhalten bestimmte Molekulare Strukturen, die ihnen eine typische Farbe verleihen. Es gibt z.B. rote, gelbe und blaufarbige Zytostatika. Die Farbigkeit ist jedoch kein Indiz für besondere Wirkungen oder Nebenwirkungen. Es kann lediglich eine Verfärbung des Urins auftreten, die durch die Substanz selbst oder ihrer noch gefärbten Abbauprodukte hervorgerufen wird

Therapieprotokolle

Die Vielzahl von unterschiedlichen bösartigen Erkrankungen läßt sich naturgemäß nicht durch ein einziges Medikament behandeln. In den letzten Jahren konnten durch weltweite Anstrengungen und langjährige Untersuchungen Konzepte erarbeitet werden, die eine an den jeweiligen Tumor und an das Tumorstadium angepaßte Behandlung ermöglichen und angeben, welche bösartige Erkrankung durch welches Medikament oder welche Kombination von Medikamenten am besten behandelt werden kann. Eine solche Behandlungsvorschrift nennt man Therapieprotokoll. Ähnlich einem Kochrezept schreibt das Therapieprotokoll genau vor, welche Substanz in welcher Menge zu welchen Zeiten gegeben werden soll. Besonders wichtig ist hier die genaue und angepaßte Dosierung der Medikamente. Zur Berechnung der Dosis bezieht man sich üblicherweise auf die Körperoberfläche des Patienten. Diese läßt sich nach Tabellen anhand der Körpergröße und des Gewichtes des Patienten berechnen. Sie sollten daher als Patient über die aktuelle Größe und das aktuelle Gewicht informiert sein. Insbesondere be deutlichen Änderungen des Körpergewichtes sollten Sie ihren behandelnden Arzt darauf aufmerksam machen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Eine Chemotherapie ist immer eine Behandlung, die den gesamten Körper betrifft. Leider gibt es derzeit noch keine Möglichkeiten, die Tumorzellen gezielt zu vernichten. Da die Chemotherapie in erster Linie auf schnell wachsende und teilende Zellen wirkt, ist vor allem das Knochenmark, in dem Tag für Tag viele Milliarden neuer Blutzellen gebildet werden, betroffen. Durch eine Chemotherapie kann die Neubildung von Blutzellen vorübergehend gehemmt werden. Durch den mangelnden Nachschub aus dem Knochenmark und die natürliche Alterung und den Abbau der Blutzellen kommt es im Laufe von einigen Tagen zu einem Abfall der Blutzellen. Dieser Abfall tritt üblicherweise 1-2 Wochen nach Beginn der Chemotherapie ein. Der tiefste Punkt, der sogenannte Nadir, wird üblicherweise 10-20 Tage nach Beginn der Therapie erreicht. Besonders bedeutsam in diesem Zusammenhang ist das Absinken der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen (Thrombozyten), wobei die weißen Blutkörperchen die Träger des Immunsystems und der Infektionsabwehr sind. In der Phase nach einer Chemotherapie besteht daher ein erhöhtes Infektionsrisiko. Durch Gabe von Antibiotika und Wachstumsfaktoren läßt sich jedoch das Risiko einer Infektion minimieren. Bei stark verminderten Thrombozyten kann die Transfusion von Thrombozyten notwendig werden.

Ein weiteres, schnell teilendes Gewebe, das in Mitleidenschaft gezogen wird, sind die Haarbälge. Durch eine Hemmung ihres Wachstums verlieren die Haare ihren Halt und es kommt zum verstärkten Haarausfall, der im Extremfall zum völligen Haarausfall führen kann. Auch diese Beeinträchtigung ist nur vorübergehend, das Haarwachstum beginnt sehr bald nach Ende einer Chemotherapie verstärkt wieder. Es kann zu einer leichten Veränderung der Haarfarbe kommen.

Eine weiter, sehr häufige und für Patienten belastende Nebenwirkung ist die chemotherapiebedingte Übelkeit. Manche Zytostatika reizen das Brechzentrum im Gehirn sehr stark, andere wirken glücklicherweise nur wenig übelkeitserregend. Es gibt jedoch mittllerweile ausreichend Medikamente, die die Übelkeit soweit unterdrücken können, daß im allgemeinen Essen und Trinken weiter möglich ist.

Eine lästige Nebenwirkung sind Veränderungen des Geruchs- und Geschmacksinnes während einer Chemotherapie. Diese Beschwerden bilden sich im allgemeinen rasch zurück. Seltenere Nebenwirkungen umfassen Schädigungen des Herzens, der Lunge, der Nieren, des Gehörs, des Nervensystems. Das Risiko eines solchen Schadens hängt stark davon ab, welche Chemotherapie ein Patient erhält. Der behandelnde Arzt wird im Bedarfsfalle spezielle Untersuchungen zum Erkennen und zum Vermeiden solcher Nebenwirkungen durchführen (z.B. EkG, Untersuchungen beim HNO-Arzt).

Das Verhalten unter einer Chemotherapie

Wenn Sie Chemotherapie-Patient sind, sollten Sie einige wichtige Dinge beachten. Unterrichten Sie Ihren behandelnden Arzt über Veränderungen, die Sie an sich bemerken. Die Erkennung von möglichen Nebenwirkungen ist wichtig für die weitere Behandlung. Das Auftreten von Fieber nach einer Chemotherapie ist ein Alarmsignal. Durch die Schädigung des Knochenmarks können sich Infektionen viel schneller ausbreiten als beim Gesunden. Nehmen Sie bei Fieber also unbedingt Kontakt mit Ihrem Hausarzt oder Krankenhaus auf. Auch bei Blutungen, starken Durchfällen oder Schüttelfrost sollten Sie sofort mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Ernährungsempfehlungen

Während einer Chemotherapie sollten Sie auf eine leichte und vitaminreiche Ernährung achten.

Nehmen Sie vor allem viel Obst und Gemüse zu sich. Vor allem wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die Abbauprodukte des Tumors und auch die Zytostatika werden überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Sie sollten daher eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern pro Tag erreichen, sofern Ihr Hausarzt Ihnen nichts anderes empfiehlt. Alkohol sollte während der Zeit einer Chemotherapie nach Möglichkeit vermieden werden, besonders jedoch an den Tagen unmittelbar vor und während einer Chemotherapie. Sie entlasten damit Ihre Leber und verbessern die Verträglichkeit der Medikamente.

Chemotherapie und Partnerschaft

Die meisten Zytostatika führen zu einer Schädigung der Keimzellen. Das Risiko einer Schädigung der Erbsubstanz bildet sich einige Monate nach Ende der Therapie wieder zurück. Während der Zeit einer Chemotherapie sowie für mindestens 6 Monate nach Ende der Therapie ist daher eine Empfängnisverhütung notwendig.

Lassen Sie sich hierüber ggf. von Ihrem Arzt beraten. Sehr häufig kommt es bei Frauen während einer Chemotherapie zum Ausbleiben de Regelblutung. Dies ist jedoch kein ausreichender Schutz vor einer Schwangerschaft. Die Kosten einer Empfängnisverhütung, z.B. die Pille, können in diesem Falle zu lasten der Krankenkasse verordnet werden.

Die sexuelle Lust ist während einer Chemotherapie oftmals vermindert. Es besteht jedoch kein Anlaß, während der Zeit vollständig auf den Partner zu verzichten. Die meisten Zytostatika sind nach 1-2 Tagen praktisch vollständig ausgeschieden oder abgebaut. Danach besteht für den Partner kein Risiko einer Schädigung durch eventuelle Zytostatikareste.

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