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Epidemiologie

Brustkrebs ist der häufigste bösartige Tumor der Frau in den industrialisierten Ländern. Jede 10. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Man rechnet mit 50000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Genaue Zahlen sind in Deutschland durc
h das Fehlen eines länger bestehenden Krebsregisters nicht erhältlich (nur das Saarland verfügt über ein länger bestehendes Krebsregister). Allerdings gibt es seit 2007 in allen Bundesländern ein Krebsregister, so dass in den nächsten Jahren Zahlen zu Verfügung stehen werden. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes sind 1997 18378 Frauen an Brustkrebs verstorben. In den Ländern USA, Kanada und England wird seit Ende der 80iger Jahre ein Rückgang der Sterblichkeit (Mortalität) von über 20% beobachtet. Die Häufigkeit (Inzidenz) der Erkrankung nimmt seit 2003 in den USA auch ab. Die Prognose der Krankheit hängt stark vom Zeitpunkt der Entdeckung ab. Kleiner Tumor (kleiner 2 cm) und tumorfreie Lymphknoten gelten als die wichtigsten Prognosefaktoren und gehen mit einer großen Heilungswahrscheinlichkeit einher. Erste Daten von deutschen Tumorzentren konnten auch für Deutschland einen Rückgang der Sterblichkeit zeigen



Diagnostik

In Zukunft wird die Früherkennung eine immer größere Bedeutung bekommen. Nach wie vor werden 8 von 10 Knoten durch die Frauen selbst entdeckt. Die regelmäßige Selbstuntersuchung der Frau (bei Frauen, die noch regelmäßig Bluten sollte die Untersuchung direkt nach der Blutung stattfinden) führt zur frühst möglichen Entdeckung von Veränderungen. Dazu sollten 1-2 ärztliche Untersuchungen pro Jahr erfolgen. Eine Möglichkeit Tumoren oder Vorstufen bereits vor dem Tastbefund zu erkennen bietet die Mammographie. Bis zum 50. Lebensjahr gibt es keine allgemein akzeptierten Regeln. In Deutschland empfiehlt man 2-jährliche Abstände falls keine Risikofaktoren vorliegen, sonst jährliche Abstände. Ab dem 50. Lebensjahr werden bei gut beurteilbaren Mammographien 2-jährliche Abstände für ausreichend erachtet. Die Vorsorgemammographie ist in Deutschland jetzt verfügbar und kann ohne Überweisung in der Altersgruppe 50-69 wahrgenommen werden ( Kontakt: 0180 3626666 ). Sie ist von der Bundesregierung für die Altergruppe 50-69 eingeführt und darf nur in so genannten Screeningzentren durchgeführt werden. In Hessen sind alle Zentren in Betrieb. Die Frauen der oben genannten Altersgruppe erhalten von den Zentren direkt eine Einladung. Die Ultraschalluntersuchung ist nur eine Zusatzuntersuchung und kein Ersatz für die Mammographie. Die Kernspinmammographie ist ebenfalls kein Ersatz für die Mammographie und besonderen Fragestellungen vorbehalten.


Operative Therapie

ca.70 % der Frauen mit Brustkrebs kann heute eine brusterhaltende Therapie angeboten werden. Die brusterhaltende Therapie beinhaltet immer eine Nachbestrahlung der Brust. Nur so ist die gleiche Sicherheit wie mit dem Entfernen der Brust zu erreichen. Ein Verdacht zur Bösartigkeit eines Brusttumors ergibt sich oft schon aus dem Tastbefund, der Mammographie oder der Ultraschalluntersuchung. Um schnell eine genaue Diagnose zu erhalten und dann in Ruhe die richtige Entscheidung zur Behandlung zu besprechen, wird heute vielen Frauen die Gewebeentnahme in örtlicher Betäubung (Stanzbiopsie) angeboten. Brusterhaltung und Entfernen der Brust gelten in vielen Fällen heute als gleichwertig zur Heilung der Krankheit. Bei großen Tumoren gibt es auch die Möglichkeit, diese durch eine der Operation vorangestellte Chemotherapie zu verkleinern und danach brusterhaltend zu operieren. Als wichtigsten Faktor, der Auskunft über den Nutzen von zusätzlichen Maßnahmen bringt, werden auch heute noch die Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Das Entfernen nur eines Lymphknotens, des so genannten Wächterlymphknotens wird in vielen Fällen durchgeführt und erspart in vielen Fällen den Achselhöhleneingriff. Leider ist diese Operation nur unter bestimmten Bedingungen durchführbar.


Chemotherapie

Bereits seit den 70iger Jahren wissen wir, dass Frauen mit einem höheren Risiko im Laufe ihres weiteren Lebens erneut zu erkranken, von einer Chemotherapie profitieren können. Mit dieser Therapie werden Tumorzellen, die nicht nachweisbar sind, und im Körper über viele Jahre überleben können, abgetötet. Diese belastende Therapie kann das Erkrankungsrisiko bei bestimmten Frauen nochmals deutlich reduzieren. Den Nutzen und die Risiken sollten mit dem behandelnden Arzt genau besprochen werden.


Hormontherapie

Viele Brusttumoren haben so genannte Hormonrezeptoren (Östrogen- und Progesteronrezeptoren). Sind diese Rezeptoren vorhanden, ist dies zum einen ein günstiger Prognosefaktor, zum anderen bietet sich auch noch eine zusätzliche Behandlung an. Wie wir heute wissen, bringt die Gabe eines so genannten Antihormons (Tamoxifen) eine Risikoreduktion von 50%. D.h. das Risiko erneut an Brustkrebs zu erkranken wird um die Hälfte reduziert. Dieser Effekt ist für viele Frauen größer als der Effekt der Chemotherapie anzusehen. Eine weitere Stoffgruppe, die Aromatasehemmer (Arimidex, Aromasin, Letrozol), werden heute zur Reduktion des Wiedererkrankungsrisikos eingesetzt. Ob man mit diesen Medikamenten beginnt oder nach Tamoxifen zu diesen Medikamenten wechselt ist von Zusatzerkrankungen abhängig. Der optimale Weg wird zur Zeit in Studien geklärt. Bei Frauen, die noch regelmäßig Bluten gibt es auch die Möglichkeit durch Spritzen die Funktion der Eierstöcke vorübergehend auszuschalten. Diese Hormontherapie gibt vor allem jüngeren Frauen die Möglichkeit nach einer gewissen Zeit ( im allgemeinen werden 2 Jahre empfohlen) nochmals schwanger zu werden und sich damit ihre Familienplanung zu erfüllen. Schwangerschaften nach Brustkrebs bedeuten keine Verschlechterung der Prognose.


Immuntherapie

Bei einigen Tumoren (20-30%) besteht die Möglichkeit einer so genannten Immuntherapie. Einige Tumoren haben einen Wachstumsfaktorrezeptor an ihrer Oberfläche. Diese Tumorzellen gelten als besonders aggressiv. Es gibt nun einen Antikörper (Eiweiß, welches diesen Rezeptor erkennt und blockiert), der als Infusion gegeben werden kann und die Prognose dieser Frauen deutlich verbessert. Dieser Antikörper wird entweder gemeinsam mit der Chemotherapie oder alleine infundiert. Die Chemotherapie ist in der Kombination um ein vielfaches wirksamer. Die Therapiedauer beträgt zur Zeit 1 Jahr.


Strahlentherapie

Der Einsatz der Strahlentherapie hat es erst ermöglicht, heute der Mehrzahl der Frauen eine brusterhaltende Therapie mit den gleichen Überlebenschancen wie beim Entfernen der Brust anzubieten. Ohne die Bestrahlung besteht ein 6-10fach höheres Risiko in der erkrankten Brust erneut einen Tumor zu entwickeln. Wie wir heute wissen, trägt die Strahlentherapie in bestimmten Fällen auch nach Entfernen der Brust zu einem besseren Überleben bei. Die Strahlentherapie wird heute so genau geplant, dass die Schädigung von gesundem Gewebe sehr gering ist.


Therapieplanung (Tumorkonferenz)

Die Planung Ihrer Therapie findet heute in interdisziplinären Tumorkonferenzen statt. Dort sitzen Ärzte der verschiedenen Fachdisziplinen zusammen und beraten Ihren persönlichen Fall. Dies garantiert, dass das Wissen aller in die Therapieempfehlung einfließt. Fragen Sie an Ihrer Klinik nach dieser Konferenz. Sie gilt als Qualitätskriterium für die Behandlung.


Verfasser:

Dr. med. Uwe Kullmer
Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe
Asklepios-Klinik Lich

Goethestraße 4
35423 Lich

Telefon: 06404 81 385
Telefax: 06404 81 387

eMail: u.kullmer@asklepios.com
eSite: Asklepios-Klinik Lich / Gynäkologie




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